Nulleinspeisung bei Balkonkraftwerken
Was Nulleinspeisung bedeutet, wie sie technisch funktioniert, und wann sie sich für dich lohnt – verständlich erklärt.
Inhalt
Was ist Nulleinspeisung?
Nulleinspeisung bedeutet, dass ein Balkonkraftwerk oder eine PV-Anlage keinen überschüssigen Strom ins öffentliche Netz einspeist. Die Anlage erzeugt immer nur so viel Strom, wie im Haushalt gerade verbraucht wird.
Normalerweise produziert ein Balkonkraftwerk unabhängig vom Verbrauch – scheint die Sonne, wird Strom erzeugt. Was du nicht sofort verbrauchst, fließt automatisch ins Netz. Bei den meisten Balkonkraftwerken erhältst du dafür keine Vergütung – der Strom ist verschenkt.
Mit Nulleinspeisung wird die Leistung des Wechselrichters dynamisch an deinen aktuellen Verbrauch angepasst. Verbrauchst du gerade 150 Watt, erzeugt das Balkonkraftwerk maximal 150 Watt – auch wenn theoretisch mehr möglich wäre.
Das Problem ohne Nulleinspeisung
Ein typisches Balkonkraftwerk mit 800W Leistung kann an einem sonnigen Tag 4-5 kWh erzeugen. Der durchschnittliche Haushalt verbraucht aber tagsüber nur einen Bruchteil davon – der Rest wandert kostenlos ins Netz.
Studien zeigen: Ohne Speicher oder Nulleinspeisung liegt der Eigenverbrauchsanteil bei Balkonkraftwerken oft nur bei 30-50%. Mit aktiver Nulleinspeisung kannst du diesen Wert auf nahezu 100% steigern.
Ausführlicher Artikel: Was ist Nulleinspeisung?Wie funktioniert Nulleinspeisung technisch?
Die technische Umsetzung basiert auf einem geschlossenen Regelkreis mit drei Komponenten: Messung, Berechnung und Regelung.
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Der Regelkreis im Detail
- Messung (Smartmeter): Ein Smartmeter erfasst kontinuierlich, wie viel Strom dein Haushalt gerade aus dem Netz bezieht oder einspeist. Die Messung erfolgt am Hausanschluss – also an der Stelle, wo dein Stromnetz auf das öffentliche Netz trifft.
- Berechnung (Controller): Der Controller empfängt die Verbrauchsdaten und berechnet, wie viel Leistung der Wechselrichter maximal erzeugen darf, ohne dass Strom ins Netz fließt. Dabei wird ein kleiner Sicherheitspuffer eingerechnet.
- Regelung (Wechselrichter): Der Wechselrichter erhält das berechnete Leistungslimit und drosselt seine Ausgangsleistung entsprechend. Moderne Wechselrichter wie Hoymiles, Deye oder APsystems unterstützen diese dynamische Begrenzung.
Passive vs. Aktive Nulleinspeisung
Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Ansätze:
| Kriterium | Passive Nulleinspeisung | Aktive Nulleinspeisung |
|---|---|---|
| Funktionsweise | Wechselrichter fest auf niedrige Leistung begrenzt (z.B. 200W) | Dynamische Anpassung an aktuellen Verbrauch |
| Eigenverbrauchsquote | ~70-90% (viel Potenzial verschenkt) | ~95-100% |
| Zusätzliche Hardware | Keine | Smartmeter + Controller |
| Typischer Anwendungsfall | Absolute Minimalvariante, wenn nichts anderes möglich | Empfohlene Lösung für maximalen Eigenverbrauch |
Technische Kennzahlen
Voraussetzungen & Komponenten
Für eine funktionierende Nulleinspeisung brauchst du drei Komponenten, die zusammenarbeiten:
1. Kompatibler Wechselrichter
Nicht jeder Wechselrichter kann dynamisch gedrosselt werden. Die Funktion muss vom Hersteller vorgesehen sein:
🔵 Hoymiles
Benötigt OpenDTU zur Kommunikation (in Hybrid-Bundles enthalten).
Kompatibel: HM-300 bis HM-1500, HMS-400 bis HMS-2000, HMT-1800/2250
Nicht kompatibel: HMS-W (mit integriertem WLAN)

🟢 Deye
Direkte WLAN-Verbindung – keine OpenDTU nötig. Besonders einfache Einrichtung.
Kompatibel: SUN-M80-G3/G4, SUN-M200-G4, und weitere der G3/G4-Serie

🟡 APsystems
Direkte WLAN-Verbindung. Aktuell max. 1 APsystems pro System.
Kompatibel: EZ1-D, EZ1-M

2. Smartmeter zur Verbrauchsmessung
Das Smartmeter misst deinen aktuellen Hausverbrauch. Es gibt verschiedene Optionen:
- IR-Lesekopf (Tasmota/Ecotracker): Wird magnetisch auf den vorhandenen Stromzähler geklippt. Liest die Daten über die Infrarot-Schnittstelle aus. Keine Elektrikerinstallation nötig.
- Shelly 3EM: Wird im Sicherungskasten installiert, misst über Stromwandler. Sehr präzise, aber Installation durch Elektriker empfohlen.
3. Controller / Steuerungseinheit
Der Controller ist das zentrale Element: Er empfängt die Verbrauchsdaten vom Smartmeter, berechnet das Leistungslimit und sendet es an den Wechselrichter. Dies kann über verschiedene Lösungen erfolgen – von DIY-Setups mit Home Assistant bis zu fertigen Plug-and-Play-Lösungen.
Rechtliche Situation in Deutschland
Was du trotzdem beachten musst
Auch bei Nulleinspeisung bleibt dein Balkonkraftwerk mit dem öffentlichen Netz verbunden. Deshalb gelten die üblichen Anmeldepflichten:
- Marktstammdatenregister (MaStR): Jede PV-Anlage muss dort registriert werden – unabhängig von Größe oder Einspeiseverhalten. Das ist gesetzlich vorgeschrieben.
- Netzbetreiber: Seit April 2024 stark vereinfacht. Bei Balkonkraftwerken bis 800W erfolgt die Meldung meist automatisch über das MaStR.
Wann ist Nulleinspeisung sinnvoll?
Nulleinspeisung ist nicht in jeder Situation die beste Wahl. Hier eine ehrliche Einordnung:
Nulleinspeisung lohnt sich bei:
- Balkonkraftwerken ohne Speicher: Hier fließt sonst der gesamte Überschuss kostenlos ins Netz.
- Mietwohnungen: Oft ist keine Einspeisevergütung möglich oder gewünscht.
- Gartenhaus / Ferienhaus: Autarke Nutzung ohne Netzeinspeisung.
- Campingplatz / Wohnmobil: Strom nur für eigenen Bedarf erzeugen.
- Speicher-Balkonkraftwerke: Überschuss erst in Speicher, Nulleinspeisung verhindert Rest-Einspeisung.
Nulleinspeisung ist weniger sinnvoll bei:
- Großen PV-Anlagen mit Einspeisevergütung: Die Vergütung (aktuell ~8 ct/kWh) ist zwar gering, aber bei hoher Produktion kann sich die Einspeisung trotzdem lohnen.
- Sehr niedrigem Tagesverbrauch: Wenn du tagsüber kaum Strom verbrauchst, ist ein Speicher die bessere Lösung.
Typische Anwendungsfälle
Zuhause
Balkonkraftwerk optimal nutzen – kein Strom verschenken, maximaler Eigenverbrauch.
Anleitung →Mehrere Wechselrichter
Bis zu 10 Wechselrichter gleichzeitig steuern – auch verschiedene Marken.
Mehr erfahren →Häufige Fragen
Technisch können kurzzeitige Mikro-Einspeisungen bei schnellen Laständerungen auftreten (wenige Watt für wenige Sekunden). Eine 100%ige Garantie gibt es nicht, aber im Normalbetrieb liegt die Einspeisung bei praktisch null.
Ein lokales Netzwerk (WLAN) ist erforderlich, damit die Komponenten kommunizieren können. Eine permanente Internetverbindung ist nicht zwingend nötig – außer für Firmware-Updates, OpenDTU oder wenn Cloud-basierte Smartmeter verwendet werden.
Nicht unbedingt. Mit einem IR-Lesekopf (magnetisch auf den Stromzähler geklemmt) ist keine Installation im Sicherungskasten nötig. Nur bei Smartmetern wie dem Shelly 3EM sollte ein Elektriker die Installation übernehmen.
Nein. Die dynamische Leistungsbegrenzung ist eine vom Hersteller vorgesehene Funktion. Hoymiles, Deye und APsystems haben diese Funktion explizit implementiert.
Das hängt vom verwendeten Controller ab. Die meisten Lösungen unterstützen mehrere Wechselrichter parallel – auch von verschiedenen Herstellern.
Nulleinspeisung für dein Balkonkraftwerk einrichten
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